3.Türchen – Männlichkeitsanforderungen

[English Version]

Hinter unserem 3. Türchen findest du heute einen Input zum Thema Männlichkeitsanforderungen. Wir beziehen uns hier auf den Text “Männlichkeitsanforderungen” von Olaf Stuve und Katharina Debus vom Dissens Verein in Berlin.

“Männlichkeit stellt für uns nicht die Summe dessen dar, was Jungen und Männer sind. Daher erheben wir hier nicht den Anspruch, reale Jungen (und Männer) zu beschreiben. Vielmehr handelt es sich bei Männlichkeit für uns um eine (kulturelle) Anforderung, ein (kulturelles) Muster, mit dem sich all jene auseinandersetzen müssen, die als Jungen und Männer anerkannt werden wollen oder die von ihrem Umfeld als Jungen gesehen werden – selbst wenn sie sich selbst nicht als solche empfinden.”

“Es handelt sich bei den Anforderungen allerdings nicht um ein starres Gefüge. Vielmehr verändern sich Männlichkeit und damit verbundene Anforderungen ständig und sind je nach Ort, Zeit, sozialer Schicht bzw. Milieu, Lebensweise, kultureller Zugehörigkeit ¹ etc. unterschiedlich ausgestaltet und ausdifferenziert.”

Beispielsweise werden andere Anforderungen an einen Mann auf dem Fußballplatz gestellt als in einem akademischen Kontext: Beim Sport werden Wettbewerb, physische Dominanz und Lautstärke gefordert, während im Hörsaal eher Souveränität, Rationalität und Eloquenz (= Redegewandtheit) gefordert wird.

Damit soll nicht gesagt sein, dass die genannten Eigenschaften und Verhaltensweisen per se falsch sind. Vielmehr ist die Absolutheit dieser Eigenschaften und der damit verbundene Zwang, eben nur genauso ein “richtiger Mann” sein zu können, problematisch.
Auch spielen hier andere Machtstrukturen, wie z.B. Klassismus (Diskriminierung basierend auf dem sozio-ökonomischen Hintergrund²) und / oder Rassismus, eine Rolle.

Wir interpretieren das so, dass beispielsweise ein reicher Mann über Geld und sozialen Status verfügt und so Kontrolle und Dominanz über andere Personen ausüben kann, wodurch eine Männlichkeitsanforderung erfüllt wird.
Ganz anders kann ein finanziell benachteiligter Mann sich gezwungen fühlen, andere, auch potentiell gewaltvolle Mittel zu nutzen, um die gleiche Männlichkeitsanforderung (hier: Kontrolle und Dominanz) zu erfüllen.

❓ Fragen zur Reflexion:

  • Wie geht es dir mit diesem Input?
  • Konntest du diese Männlichkeitsanforderungen bei dir oder auch bei anderen wiederfinden?
  • Wie gehst du damit um? Versuchst du ihnen gerecht zu werden? Stören dich diese Anforderungen?
  • Fallen dir Situationen ein, in denen du Männlichkeitsanforderungen an andere stellst?
  • Hast du vielleicht andere Männlichkeitsanforderungen? Wenn ja, durch was sind diese charakterisiert?
  • Fallen dir Unterschiede in Männlichkeitsanforderungen ein im Zusammenhang mit anderen Diskriminierungsformen (Z.B. Rassismus, Klassismus etc)? Wie verändert sich dadurch dein Umgang mit den Personen?

ℹ️ Begriffserklärungen

  • ¹ kulturelle Zugehörigkeit:
    Wir [Olaf Stuve & Katharina Debus] verwenden einen breiten Kulturbegriff. So kann mit kultureller Zugehörigkeit Familien-, Peergroup-, Jugend-, Sub-, politische, Musik-, religiöse, nationale, ethnische, regionale, Stadt-, Land- etc. Kultur gemeint sein.

➡️ Quellen und Links zur Vertiefung:

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